Liebe Heidelbären: Gesprächsbedarf

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Nil0
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Liebe Heidelbären: Gesprächsbedarf

Beitrag von Nil0 »

Anlässlich der zuletzt veröffentlichten Klarstellungen (http://forum.heidelbaer.de/viewtopic.ph ... 7f7cb47e8b) wird es nun allerhöchste Zeit für einen runden Tisch. Bis jetzt gab es viel Schweigen, Spott, Beleidigungen und vor allen Dingen Ausflüchte. Damit kommen wir aber nun nicht mehr weiter, deshalb bitte ich alle Beteiligten (hoffentlich auch Verantwortliche) hier sachlich zu diskutieren.

Dazu mal von mir ein einfaches Beispiel zum Netrunner-LCG:

Gefordert sind ab 17 Teilnehmer 5 Runden Swiss und eine Finalrunde mit 8 Spielern. Das entspricht einem Zeitaufwand von durchschnittlich 5*65 + 6*35 (oder 7*35) = 385 (420) Minuten. Das sind ca. 6,5 (7) Stunden. Dabei wurden aber weder Pausen für Verwaltung (zwischen den Runden), noch für Essen/Trinken, Pipi, keine Siegerehrung etc. berücksichtigt. Diese Angabe ist also unerreichbar. Viel realistischer bei einem Turnier dieser Dimension sind da zusätzlich 5*5 + 2*45 + 6*5 + 10 = 155 Minuten. Das sind dann weitere 2,5 Stunden. Insgesamt ergibt das einen Netrunner-Tag von ca. 9 Stunden Länge.
An- und Abreise? Vernachlässigbar, weil Lokalmeisterschaft? Nein! Selbst unter der Annahme, dass ausschließlich lokale Spieler teilnehmen, müssen noch immer viele der treuesten Seelen stundenlang fahren, weil sie eben keine Wohnung über dem Geschäft haben, sondern vom Land kommen. Wir sind inzwischen bei ungefähr 10 Stunden.

So ein Netrunner-Tag ist ja nun nichts schlechtes. Aber mir fehlt hier die Verhältnismäßigkeit. Soll ich in so einem Turnier Weltmeister werden, oder eine Plakette gewinnen? Immerhin wird weit mehr als die Hälfte der Teilnehmer nach Swiss verschwinden und damit etwa 3 Stunden Turnier verpassen, keine vernünftige Siegerehrung erleben und vor allen Dingen einen sehr schlechten Eindruck von so einem Netrunner-Turnier mit nach Hause nehmen. Es geht doch hier noch um die Lokalmeisterschaft, das Event, wo neue Spieler mit Spiel und Turnierumgebung vertraut gemacht werden sollen, oder etwa nicht?

Besonders witzig wird es, wenn wir mit max. 16 Teilnehmern rechnen. Dann müssen wir auf 4 Runden reduzieren und den Cut auf 4 Teilnehmer beschränken. Das klingt harmlos. Aber Vorsicht: Der Double Elimination Cut hat es in sich! Ein Cut mit 4 Teilnehmern erfordert 4-5 Runden. Zur Erinnerung: Das sind 2,5 Stunden im besseren Fall und da sind keine Pausen drin, nicht einmal kleine. Bemessen an 4 Runden Swiss (ca. 4 Stunden ohne Pausen) kann das niemand für sinnvoll befinden. Speziell unter der vom Heidelberger Spieleverlag vermittelten Zielgruppe für Lokalmeisterschaften.

An dieser Stelle möchte ich an die Store-Championships aus dem letzten Jahr erinnern: Es gab wahnsinnig fette Preise, keine seltsamen Auflagen und die Spieler sind wie Irre durch die Republik gereist. Die Preise interessieren heute keinen Menschen mehr (Inflation, das wird auch mit dem aktuellen Kit passieren), aber die Leute hatten verdammt nochmal unfassbar viel Spaß. Alex hat ein unvorstellbares Turnier in Münster abgeliefert, wo er mal eben 5 Runden ungeschlagen beendete. Am selben Tag macht Benny CI salonfähig (2. Platz!). Und mittendrin neben Anfängern wie Isi und mir und natürlich Tobi M. ganz viele Neulinge, die viel über sich und andere lachen und das Ende des Turniers inklusive einer tollen Siegerehrung erleben dürfen. Das ist nur ein Beispiel, ich bin mir sicher, dass andere Stores im Jahr 2014 so, oder so ähnlich stattgefunden haben.

Es geht mir nicht darum von "guten alten Zeiten" zu berichten. Es gibt auch heute regelmäßig Turniere, die in dieser Form in Erinnerung bleiben. Das liegt dann aber an einer vernünftigen Turnierstruktur und die sehe ich hier leider nicht mehr gegeben. Ganz im Gegenteil, ich finde diese Struktur sehr unangemessen und absolut schädlich. Man muss sich tatsächlich fragen, ob es im Sinne der Erfinder ist, dass ein Turnier inzwischen bemessen an den Auflagen limitiert wird und nicht bemessen an dem Fassungsvermögen.


In Bezug auf den von mir verfassten Text, adressiere ich nun folgende Frage an die Verantwortlichen:
Ist es möglich FFG davon zu überzeugen, dass deren globale Turnierstrukturen im deutschen Raum nicht ziehen?
Ist FFG bereit, im Interesse der internationalen Spieler, die Turnierstrukturen an die nationalen Vertreiber zu übertragen?
Und wenn ja, werdet ihr auf die Spieler hören, oder seid ihr der Meinung, dass FFG das schon richtig macht?
Seid ihr überhaupt an der Diskussion (so wie es hier passieren soll) mit den Spielern eurer Turnierprodukte interessiert?
Zuletzt geändert von Nil0 am Mi 28. Jan 2015, 17:58, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Liebe Heidelbären: Gesprächsbedarf

Beitrag von Trakanon »

Auch wenn das hier jetzt nicht viel helfen wird:
Der verantwortliche Mitarbeiter bei uns befindet sich gerade in Nürnberg auf der Spielwarenmesse und wird erst am Dienstag wieder zurück im Büro sein, sodass von ihm wohl erst da mit einer ausführlicheren Antwort zu erwarten ist. Vielleicht kommt er abends im Hotel mal dazu ins Forum zu schauen, aber ich möchte da keine Versprechen abgeben. Der Verantworliche ist im Übrigen Thanatos.

Was ich aber zu den anderen Fragen teilweise sagen kann:
Als Thanatos damals das Pamphlet von FFG zum ersten Mal gelesen hat, hat sofort den Verantwortlichen für das Organized Play bei FFG kontaktiert. Er hat den Hinweis gebracht, dass wir das System im letzten Jahr besser fanden. Da konnte jeder Laden das machen, was er wollte. Der eine hat ne kleine Liga über drei Monate aufgezogen, dann hat wieder einer Turnier gemacht usw. Das war cool, das war auf die lokale Community passend zugeschnitten und alle waren im Allgemeinen zufrieden. Dieses Jahr hat Thanatos ausdrücklich nachgefragt bezüglich der Lokalmeisterschaften, ob wir uns an die vorgegebene Struktur halten müssen.
Die Antwort seitens FFG war: Ja, haltet euch dran. Wir wollen, dass es weltweit gleich ist.

Und das nun bezogen auf deine Fragen:
Nil0 hat geschrieben:Ist es möglich FFG davon zu überzeugen, dass deren globale Turnierstrukturen im deutschen Raum nicht ziehen?
War es uns bisher nicht. Uns wurde ein klares "nein" erteilt. Wir sollen es so machen wie sie sagen.
Nil0 hat geschrieben:Ist FFG bereit, im Interesse der internationalen Spieler, die Turnierstrukturen an die nationalen Vertreiber zu übertragen?
In begrenztem Rahmen tun sie das und innerhalb dieses Rahmens haben wir das auch bisher so umgesetzt und werden das auch dieses Jahr wieder machen.
Nil0 hat geschrieben:Und wenn ja, werdet ihr auf die Spieler hören, oder seid ihr der Meinung, dass FFG das schon richtig macht?
Im Allgemeinen holen wir die Community mit ins Boot. Auch wenn es der eine oder andere vielleicht nicht glauben mag, aber wir drei, die die Events betreuen (Thanatos, Sirene und ich; Thanatos als Eventmanager und Verantwortlicher fürs OP, Sirene Mitverantwortliche, da sie mit Thanatos ein Team bildet; ich als zuständiger Redakteur für die betreffenden Systeme, inklusive FAQs, Turnierregeln, und die gesamten OP-Kits) sind eng mit der Community vernetzt.
Nil0 hat geschrieben:Seid ihr überhaupt an der Diskussion (so wie es hier passieren soll) mit den Spielern eurer Turnierprodukte interessiert?
Ich denke, dass das schon aus meiner Antwort zur letzten Frage hervorgeht.
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Re: Liebe Heidelbären: Gesprächsbedarf

Beitrag von Hida Tetsuo »

Weiß man denn, warum FFG sich hierzu entschieden hat?

Warum nimmt man dem TO jeglichen Spielraum?
Bisher konnte man spätestens nach 4 Runden Swiss das Turnier beenden, meist mit einem klaren Sieger, selbst bei 16 Spielern.
Und man konnte sich im Vorfeld entscheiden, ob man da noch Top4. Das war viel sinniger und eben cool für ein lokale StoreChampionship.

Für ein Regional mag so eine straffe, allgemeine Regelung definitiv Berechtigung haben, aber für ein StoreChampionship ist das meiner Meinung nach übertrieben.
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Re: Liebe Heidelbären: Gesprächsbedarf

Beitrag von Trakanon »

Ich persönlich kann da nur spekulieren.

Das Organized Play Team von FFG hat sich im letzten Jahr ja umstrukturiert. Zudem haben die ein mehrstufiges System für die kompetitiven Events eingeführt:
Tier I: Store Championships ==> Lokalmeisterschaften
Tier II: Regionals ==> Regionalmeisterschaften
Tier III: Nationals ==> Deutsche Meisterschaft
Tier IV: Worlds ==> Weltmeisterschaft
Meine persönliche Vermutung ist, dass sie auf diesen 4 Stufen einen weltweiten Vergleich haben möchten. Das ist allerdings aber nur meine persönliche Einschätzung und nichts offizielles!
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Re: Liebe Heidelbären: Gesprächsbedarf

Beitrag von Farlander »

So, Marco, vielen Dank für deine Mühen. Du stehst da grade zwischen den Fronten und bist ja dafür eigentlich nicht zuständig, sondern dass ist Ralfs (Thanatos') Aufgabengebiet. Ich vermute aber mal, dass du uns in diesem Post und in diesem Post durch die Blumen sagen willst: Leute, macht die SCs im normalen, vernünftigen Rahmen, also mit Schweizer System und wenn ihr nicht grade vollkommen bekloppte Abweichungen von den Turnierstandards bringt, dann gelten die "Byes" auch für die Regios.

Weder FFG-Polizei noch Thanatos oder Trakanon werden auf den Turnieren vorbeikommen und peinlichst genau drauf achten, dass die Regeln bis ins letzte Detail eingehalten werden (im vernünftigen Rahmen). Macht eure SCs wie geplant, verteilt die Freilose an die Gewinner (die noch keine haben) und gut ist. Dann wird das Turnier für die weltweite, ach so wichtige FFG-Statistik eben nicht gewertet, aber das interessiert noch weniger, als wenn ein X-Wing-Spieler in Singapur seinen Fokustoken vom Tisch fallen lässt.

Sch*** auf das Hirn, das sich den Bockmist mit Cut und Turnieren über 12 Stunden ausgedacht hat und macht, wie ihr das für richtig, vernünftig und vor allem machbar haltet.

Zumindest lese ich das jetzt aus Trakanons Post und wenn hier nicht jemand höchstselbst flennend zu den FFG-Fuzzies rennt, dann ist gut. Selber Schuld, wenn die sich so nen Bockmist ausdenken und dann auch noch zu spät verkünden...

Peace, Over & Out ;-)
Zuletzt geändert von Farlander am Mi 28. Jan 2015, 21:20, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Liebe Heidelbären: Gesprächsbedarf

Beitrag von Trakanon »

Gut, dass man mich doch irgendwie versteht. Ich kann von offizieller Seite keine klareren Aussagen machen^^
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Re: Liebe Heidelbären: Gesprächsbedarf

Beitrag von TEW »

Ich denke auch, dass der Grund wirklich die internationale Vergleichbarkeit ist (weil es ja am Ende alles auf ein großes, internationales Turnier hinausläuft ... die Worlds).

Was FFG dabei nur nicht versteht ist, dass das absoluter Blödsinn ist (weil dadurch in keinster Weise irgendeine sinnvolle Vergleichbarkeit geschaffen wird)! :D
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Re: Liebe Heidelbären: Gesprächsbedarf

Beitrag von TEW »

Trakanon hat geschrieben:Gut, dass man mich doch irgendwie versteht. Ich kann von offizieller Seite keine klareren Aussagen machen^^
Alles schön und gut, aber das reicht mir nicht.

Ich brauche eine offizielle Genehmigung, dass wir die Regeln in der Form ignorieren können und dass das lediglich die beschriebenen Konsequenzen hat (auch von Seiten FFG).

Schade für den Gewinner, dass es dann kein Bye gibt, aber das wird im Vorfeld bekanntgegeben, und wer nur deswegen mitmachen will, kann es sich dann nochmal überlegen.

Das Problem ist nämlich, wenn es nachher dann doch deswegen Ärger geben sollte, fällt das auf den Laden zurück, den dabei aber keinerlei Schuld trifft. Und das möchte ich nicht.

Ich habe diesbezüglich aber auch schon eine E-Mail an die besagte Adresse geschrieben und hoffe, dass es frühzeitig in der nächsten Woche eine Antwort gibt, weil es sonst zu spät ist (dann findet nämlich das erste Turnier bei uns statt, wo die aktuelle Regelung zu einem ziemlichen Problem führen dürfte). :)
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Re: Liebe Heidelbären: Gesprächsbedarf

Beitrag von Hida Tetsuo »

PiiSmith hat geschrieben:Oh wow, das werden ja lange Turniere auch bei den Store-Championships.
Bei 10 Leuten (So um den Dreh ist realistisch) 4 Runden + nochmal Top 4, also sechs Runden in Summe.
Hab das mal aus nem anderen Topic...

Wenn FFG mit den StoreChampShips wirklich die Leute in die Läden holen will, dann ist ein extra langes Turnier hierfür
absolut ungeeignet. Gerade wenn es um die local community geht.
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